Dem wilden Wallis auf der Spur

Donnerstag, 16. April 2020
Gebirge, Täler, Wälder, Gewässer, Kulturlandschaften und Siedlungsräume. Der Kanton Wallis ist reich an den unterschiedlichsten Lebensräumen. Darin lebt eine grosse Vielfalt an Wildtieren. Doch über Vorkommen und Verbreitung vieler dieser tierischen Nachbarn wissen wir nur wenig. Das Projekt «Wilde Nachbarn Wallis» will dies mit Unterstützung der Bevölkerung ändern.

Neben den Naturräumen und ländlichen Gebieten weist auch der Siedlungsraum eine erstaunlich hohe Vielfalt an Pflanzen und Tieren auf. 40 der rund 90 Säugetierarten und rund die Hälfte aller Amphibien- und Reptilienarten der Schweiz besiedeln auch unsere Dörfer und Städte. Manche Wildtiere – wie etwa Fuchs und Eichhörnchen – lassen sich leicht beobachten, andere wie Dachs und Spitzmäuse bekommt man nur selten zu Gesicht. Und Hand aufs Herz: Wer kennt die wilden Nachbarn, egal ob Pflanze, Insekt, Vogel oder Säugetier mit Namen oder kann Marder und Hermelin sicher voneinander unterscheiden?

Wilde Nachbarn nun auch im Wallis

Hier setzt das Projekt «Wilde Nachbarn Wallis» an. Es möchte die Bevölkerung für die Artenvielfalt vor der Haustüre sensibilisieren. Das Angebot wurde vom Verein StadtNatur erarbeitet, der bereits die landesweite Citizen Science-Aktion zur Meldung von Säugetierbeobachtungen für den Säugetieratlas der Schweiz koordiniert hat. Mit Unterstützung des Migros Genossenschaftsbundes wird es unterdessen in neuen Regionen der Schweiz verankert und wird von der Bevölkerung rege genutzt.

Aktuell wird es nun auch im Kanton Wallis etabliert, in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Pfyn-Finges und dem Landschaftspark Binntal, unterstützt von einer Begleitgruppe mit Fauna VS (Walliser Gesellschaft für Wildtierbiologie), dem Naturmuseum Wallis und La Murithienne (Société valaisanne des Sciences Naturelles).

Interaktive Webplattform

Basis des Projektes ist die Webplattform wallis.wildenachbarn.ch (und valais.nosvoisinssauvages.ch). Sie informiert über Biologie und Lebensweise der im Wallis lebenden Wildtiere, mit einem Fokus auf Wildtieren, die auch im Siedlungsraum leben, gibt Beobachtungstipps und zeigt auf, was jeder zu deren Förderung und Schutz unternehmen kann. Ein Newsletter informiert regelmässig über Veranstaltungen und Angebote. Die Bevölkerung wird eingeladen, eigene Beobachtungen von Wildtieren einzutragen. Das kontinuierliche Sammeln solcher Zufallsbeobachtungen ergibt mit der Zeit ein gutes Bild über die Verbreitung von Tieren in und um den Siedlungsraum. Damit lassen sich Wissenslücken über die Nutzung unserer Lebensräume insbesondere in unserer Nachbarschaft durch grössere und kleinere Wildtiere schliessen.

Aufbau eines Beobachternetzwerks

«Wilde Nachbarn Wallis» setzt sich unter anderem auch zum Ziel, langfristig ein Netzwerk von aktiven Naturbeobachterinnen und -beobachtern aufzubauen, die ihre Beobachtungen auf der Webplattform eintragen und sich aktiv an Projekten beteiligen, wenn es darum geht, Nachweise von ausgewählten Tierarten zu sammeln. Die Daten erlauben später Rückschlüsse über Vorkommen, Bestandsentwicklung oder Lebensweise der Wildtiere in unserer Nachbarschaft – unverzichtbare Grundlagen für deren Schutz, Förderung oder Management.

Naturpark Pfyn-Finges

Der Naturpark Pfyn-Finges ist mit seinen ursprünglichsten Natur - und Kulturlandschaften und seinen einzigartigen kulturellen Merkmalen ein regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung. Er erstreckt sich von Gampel bis nach Siders auf einer Fläche von 277 km2. Der Naturpark Pfyn-Finges setzt sich nicht nur für die Aufwertung und Erhaltung der Natur- und Kulturwerte ein. Er engagiert sich vor allem auch für eine enkeltaugliche Entwicklung der Region. Dazu setzt er Impulse in verschiedenen Projekten wie Umweltbildung, traditionellen Beweidung der Felsensteppen, Regionale Identität bis zur Zertifizierung von lokalen Produkten.

Landschaftspark Binntal

Der Landschaftspark Binntal ist seit 2011 ein Regionaler Naturpark von nationaler Bedeutung. Der Park umfasst die sechs Ortschaften Binn, Ernen, Grengiols, Bister, Niederwald und Blitzingen und verfügt über eine wertvolle Natur- und Kulturlandschaft. Die wichtigsten Ziele des Landschaftsparks sind, einerseits die Schönheit der Region zu erhalten und andererseits die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und damit die Abwanderung zu stoppen.

Der Landschaftspark Binntal ist nicht nur reich an Mineralien, sondern beheimatet eine bemerkenswerte Vielfalt an Lebensräumen. Hier sind zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Mit Förderprojekten, verschiedenen Umweltbildungsmassnahmen und viel Herzblut leistet der Landschaftspark Binntal seinen Beitrag, damit dies auch in Zukunft so bleibt.

Rückfragen

Naturpark Pfyn-Finges, Evelyne Oberhummer, Fachbereichsleiterin Natur- und Landschaft

027 452 60 63, e.oberhummer@pfyn-finges.ch

Landschaftspark Binntal, Barbara Grendelmeier, Natur und Landschaft

027 971 50 57, barbara.grendelmeier@landschaftspark-binntal.ch

Bilder
Die nachfolgenden Bilder stehen für den Gebrauch im Zusammenhang mit der Medienmitteilung bei korrekter Zitierung der Bildautoren kostenfrei zur Verfügung.
Abb. 1: Hermelin, beobachtet in der Nähe der Gärsterhörner.
Abb. 2: Eichhörnchen, beobachtet in der Nähe von Sion.
Abb. 3: Igel im Siedlungsraum in einem Garten in Sion.
Abb. 4: Dachs. Er lief gemäss Beobachter David Schumacher, quer über die geschlossene Piste, in der Nähe von Mörel.